Naturgebloggt

Naturschutz - weil's wichtig ist.

Erdrutsch

Vor ca. 2 Jahren gab es in Bernburg (Saale), einer hübschen kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt, Grund zur Aufregung. Praktisch aus dem Nichts hatte sich ein riesiges Loch im Boden einer ehemaligen Mülldeponie aufgetan und einen gewaltigen Krater hinterlassen. Dies war Grund genug die, daran vorbeiführende, Bundesstraße 71 zu sperren und den Verkehr großräumig umzuleiten. Seit einer Weile wird an einer neuen Straße gebaut und im Zuge dessen habe ich mir mal das Loch angeschaut.


©Thomas Engst

Der Krater ist wirklich gewaltig, schätzungsweise 50 Meter im Durchmesser und ebenso tief. Man sieht sehr deutlich die verschiedenen Erdschichten und Gesteine. Grund für den Zusammensturz war, womöglich, der Bergbau. Ganz Bernburg steht auf unterirdischen Salzstöcken, die seit langer Zeit abgebaut werden und gigantische Hohlräume hinterlassen. Wie Gandalf, in Der Herr der Ringe schon sagte: "Sie haben zu tief und zu gierig geschürft...", hat sich auch hier die Natur gerächt. Durch die ständigen Vibrationen des Kraftverkehrs sind wahrscheinlich zu starke Vibrationen aufgetreten und das ist das Resultat.


©Thomas Engst

©Thomas Engst

Für mich symbolisieren solche Bilder die Unberechenbarkeit der Natur und wie wir doch noch von ihr abhängig sind. Der ganze Vorfall ereignete sich in wenigen Minuten, verletzt wurde dabei, zum Glück, niemand.


In diesem Sinne...

Wanderziel heute: der Brocken


Das Wetter lockte heute mit stahlblauem Himmel und Sonnenschein von früh bis spät. Damit waren die idealen Voraussetzungen geschaffen um etwas Wandern zu gehen. Als gebürtiger Chemnitzer, der jetzt in Sachsen-Anhalt lebt, zieht es mich schon noch hin und wieder in das Gebirge. Nun ist meine Gegend hier nicht so mit Bergen gesegnet wie die Heimat, also was nun? Rauf auf den Brocken. Weil es sich ja bekanntlich besser zu zweit wandern lässt, schnappte ich mir meinen Bruder und los ging es. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle.

Der Brocken ist mit seinen 1141 m  über Normal Null der höchste Berg im Norden Deutschlands und frühere Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten. Das "Basislager" war in Schierke, auf einem Parkplatz, einer kleinen malerischen Stadt in der ich mich irgendwie immer fühle wie im Allgäu, keine Ahnung warum aber irgendwie ist es halt so.

Laut Wanderkarte gibt es zwei unterschiedliche Wege, eine schonende Variante mit 8 km und der direkte Weg. Dank 13-15% Steigung sind es da nur 5 km. Natürlich entschieden wir uns für den kürzeren Weg. Aus Erfahrung wusste ich, er hat die schönere Landschaft. Der Weg startete direkt in den Wald und belohnte  uns schon auf den ersten Metern mit schönen Anblicken.

©Thomas Engst

©Thomas Engst

Da es sich vorwiegend um einen Nadelwald handelt, ist die Bodenvegetation auch dementsprechend "marginal" aber dennoch sehr schön. Mit Moos überzogene Felsen und Baumstümpfe geben dem Wald etwas verwunschenes.

Nach ca. 2 Stunden standen wir dann auf dem Gipfel und wurden mit einer hervorragenden Aussicht belohnt. Man kann schon von Glück reden, so einen Tag wie diesen erwischt zu haben.

Es ist bekannt, dass der Brocken bereits in der Bronzezeit eine wichtige Rolle gespielt hat. Ähnlich wie Stonehenge in Großbritannien, war auch der Brocken eine markante Landmarke und diente den damaligen Menschen als eine Art "Kalender". Vom 85 km entfernten Observatorium auf dem Mittelberg aus gesehen, geht die Sonne zur Sommersonnenwende direkt hinter dem Brocken unter. Der Mittelberg ist deshalb so bekannt, weil dort die Himmelsscheibe von Nebra gefunden wurde. Diese Sichtachse zum Brocken macht es möglich, dass sich die, auf der Scheibe angebrachten, Horizontbögen exakt in dessen Richtung ausrichten ließen. Als zweites Beispiel kann man die Wall-Graben-Anlage auf dem Gehrdener Berg, Region Hannover, anführen. Von ihr aus sieht man die Sonne zwischen Brocken und Wurmberg  aufgehen.

Aber auch in Literatur und Folklore hat der Brocken seine Spuren hinterlassen. So hat Goethes Faust eine Nacht auf dem Berg verbracht und den Hexen beim Tanze zugesehen. Die alljährliche Walpurgisnacht ist ja hinlänglich bekannt.

©Thomas Engst

Meine anfängliche Hoffnung vom Gipfel das Völkerschlachtdenkmal  in Leipzig oder gar das heimische Erzgebirge sehen zu können, stellte sich dann doch als etwas zu ambitioniert heraus, betrug die Sichtweite doch "nur" 82 km. Doch immerhin sah man das Kyffhäuserdenkmal.

Der Brocken blickt, wie bereits angedeutet, auf eine bewegte Vergangenheit zurück, ein paar Fakten aus neuerer Zeit habe ich mal im Folgenden aufgestellt.

  • 1961 Der Brocken wird militärisches Speergebiet
  • 1973/76 Bau des freistehenden Antennenträgers für den Funkturm
  • 1989 Freigabe des Brockenplateaus am 3. Dezember
  • 1990 Beginn der Renaturierungsarbeiten
  • 1994 Abzug der sowjetischen Streitkräfte
  • 1997 Abschluss der Gipfelgestaltung

©Thomas Engst

Stichwort Renaturierung, am Brocken findet man einzigartige Hochmoore mitsamt ihrer typischen Vegetation und Fauna. Ebenfalls wurde vor ein paar Jahren ein Programm zur Wiederansiedlung von Luxen gestartet und läuft, meines Wissens nach, auch sehr erfolgreich. Wegen diesen wertvollen Flächen stehen überall Schilder die darauf hinweisen, die Wege nicht zu verlassen.


©Thomas Engst

Aufgrund seiner Höhe eignet sich der Brocken auch bestens für die Forschung und, natürlich, für die Funktechnik. Darum gibt es auch zwei Türme auf dem Gipfel, von denen man einen als Aussichtsplattform nutzen kann. Von dort oben hat man, schönes Wetter vorausgesetzt, einen klasse Fernblick.

©Thomas Engst

Nach ca. 4 Stunden Aufenthalt war dann die Zeit des Abstiegs gekommen. Auf einer leicht abgeänderten Route gelangten wir wieder zu unserem Ausgangsort. Unterwegs bot sich noch ein schöner Blick auf die umliegenden Berge im Sonnenuntergang, welcher die Bäume in Gold zu hüllen schien. 

Ich habe, wie immer, einen Track aufgezeichnet, dessen Verlauf und Höhendiagramm ich mal für euch auf den folgenden Bildern festgehalten habe.

©Thomas Engst

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©Thomas Engst

Insgesamt hat die Tour 8 Stunden gedauert, wobei wir 2 Stunden jeweils für Auf- und Abstieg gebraucht haben. Auf dem Heimweg hatten wir noch das Glück eine wunderbare Abendstimmung erleben zu können. Mit dem Bild des abendlichen Harzes möchte ich auch diesen, etwas längeren Artikel, beenden und mich bei allen Bedanken, die bis zum Ende durchgehalten haben.

In diesem Sinne...

©Thomas Engst

Ausflugsziel Kyffhäuser

Ich nutze das schöne Wetter um mir einmal, als Privatmann, das Kyffhäusergebirge anzuschauen.  Dank B180 sind es nur knapp 90 Minuten und ich bin am Ziel. Erster Zwischenstopp war in Bad Frankenhausen. Es ist ein malerisches kleines Städtchen mit wunderschönen Fachwerkhäusern und gepflegten Gärten.

©Thomas Engst

Eine, oder die Attraktion von Bad Frankenhausen ist der Schiefe Turm. Dieser Turm hat eine größere Neigung als sein Kollege aus Pisa. Leider kippt er immer mehr zu einer Seite, es gibt jetzt Pläne ein Fundament aus Beton in den Boden zu gießen. Weitere Infos rund um den Turm findet ihr hier, ein Klick lohnt sich schon wegen den Bildern und dem Panoramarundgang.

©Thomas Engst

Bis zum Parkplatz am Fuße des Kaiserdenkmals sind es mit dem Auto nur wenige Minuten, man kann es auch erlaufen, habe ich auch schon hinter mir, aber heute musste das Gefährt herhalten. Leider wird das Denkmal gerade restauriert, daher habe ich kein Bild von der Totalen oder des Reiterdenkmales schießen können, aber den wunderschönen Ausblick von "ganz oben" auf Sachsen-Anhalt bzw. Thüringen möchte ich euch nicht vorenthalten.

©Thomas Engst

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Zentrales Element ist das Abbild des Kaisers Friedrich I., besser bekannt als Barbarossa. Er und seine beiden Vorgänger Otto I. und Heinrich I. haben die Geschichte Mitteldeutschlands, speziell das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt, so entscheidend geprägt wie sonst keiner.

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©Thomas Engst


Was viele Besucher gerne übersehen, ist der Brunnen im Burghof. Im 12. Jahrhundert hat man mit den damaligen Mitteln einen 176m tiefen Schacht in das Gestein getrieben um sich mit Wasser versorgen zu können. Erfahrene Hauer und Bergleute haben auf den ersten 50 Metern die Arbeit vorgelegt, die restliche Strecke wurde, vermutlich, von Sträflingen oder Verurteilten geleistet, da niemand sonst so eine Aufgabe übernehmen wollte. Man muss es sich mal vorstellen, Gestein und Schutt, in einer Tragetasche auf dem Rücken, aus 176m Tiefe nach oben zu schleppen. Nebenbei bemerkt, ist es der tiefste Burgbrunnen der Welt.


©Thomas Engst

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Auf dem Rundweg, um das Denkmal herum, ist mir ein besonders schönes Exemplar des Säbelwuches aufgefallen, Gehölze, besonders Bäume neigen an Hanglagen zu diesem Verhalten. Sie müssen ja auch. Dadurch versuchen sie auf den drückenden  und schiebenden Hang zu reagieren und sich aufzurichten.

©Thomas Engst

Säbel- oder Sichelwuchs geht meist mit Reaktionsholzbildung und einer starken Form der Faserabweichung  einher. Es resultieren stark gekrümmte Stämme. Hauptursache dafür ist Wildverbiss, hierbei fressen Tiere die obersten Knospen und Triebe, weshalb dann ein Seitentrieb deren Funktion übernimmt. Aber auch ungünstige Standortfaktoren, wie schlechter Lichteinfall, einseitige Wind- oder Schneebelastung oder aber auch Bodenbewegungen auf Hängen (siehe Bild oben) können Krummwüchsigkeit verursachen.


©Thomas Engst



Als Fazit bleibt mir nur zu sagen: Ich kann jedem Naturfreund das Gebiet empfehlen. Es gibt viele schöne Wanderwege durch das Kyffhäusergebirge. Die Schutzkategorie ist Naturpark, daher ist es auch für den Tourismus freigegeben, wobei Wege dennoch nicht verlassen werden sollten, aber das versteht sich ja von selbst.

Näheres zum Naturpark Kyffhäuser findet ihr hier.

In diesem Sinne...

Was ist Eutrophierung?

Ich widme mich diesem Thema, da es in unserer heutigen Zeit eine wichtige Rolle spielt, nicht nur im Naturschutz, sondern auch bei der Trinkwassergewinnung und in der Ökologie zeichnet sich ein negativer Trend ab. Aber der Reihe nach. Was versteht man unter Eutrophierung?

Dieser Begriff kommt aus der Ökologie  und bezeichnet das Anreichern von Gewässern mit Nährstoffen. Nun mag der eine oder andere sagen: " Nährstoffe sind doch gut. Lebewesen brauchen die!". Nun, so einfach ist es dann doch nicht. Wie mit allen Sachen, zum Beispiel Rosenkohl, ist auch hier die Dosierung wichtig.

Ein Gewässer besteht, bezogen auf diese Thematik, aus zwei Zonen. Die trophogene Zone umfasst den Wasserkörper, in dem überwiegend der Aufbau der organischen Substanz durch autotrophe Organismen stattfindet. In der tropholytischen  Zone ist das Pflanzenwachstum (Primärproduktion) aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse eher gering, es überwiegt der Abbau von organischen Material, durch Tiere, Bakterien, Pilze etc.


Quelle: http://wasserchemie.ebi.kit.edu

Innerhalb eines jeden Gewässers gibt es natürliche Prozesse die aufeinander aufbauen und sich gegenseitig beeinflussen, sprich steuern. Wenn jetzt eine erhöhte Zufuhr von Nährstoffen eintritt, steigert sich auch die Aktivität innerhalb des Ökosystems.

Erhöhtes Nährstoffangebot wird an erster Stelle von Pflanzen  umgesetzt, das fördert ein verstärktes Wachsen von Algen. Das geht solange weiter bis es einfach zu viele sind (Stillgewässer) und sie einen dermaßen großen Sauerstoffbedarf haben, dass es für die Wasserlebewesen, Fische, nicht mehr genug Luft zum Atmen gibt. Daraus resultiert ein massives Fischsterben.

Hauptgrund für dieses Problem ist heutzutage der Eintrag von Phosphor, wie so oft aus der Landwirtschaft.

Die Eutrophierung, flaches Gewässer, hohe Temperaturen und Nährstoffzufuhr (über Abwässer bspw.) vorausgesetzt, läuft im Wesentlichen in zwei Phasen ab.

1.Phase:

  • Aufheizen darauf folgt Sauerstoffreduzierung
  • Umsetzen der Nährstoffe (Stickstoff oder Phosphor) daraus folg Biomassezuwachs
  • Algenwachstum bildet Algenteppich
  • Algenteppich senkt Fotosyntheseleistung
  • Sauerstoffgehalt sinkt weiter
2.Phase:
  • Algenteppich sinkt auf den Grund
  • Beginn der aeroben Umsetzung  (CO2 und H2O)
  • Mikroorganismen senken Sauerstoffgehalt weiter
  • Beginn der anaeroben Umsetzung
  • Freisetzung von H2S, CH4, NH3 und H2O
  • Vergiftung des Gewässers und der Fische
Als Folge dessen sinkt die Leistungsfähigkeit des Gewässers, allgemein sind 4 Wochen zur  Regeneration nötig.  

 
Bemerkbar macht sich ein eutrophiertes Gewässer, wie geschrieben, durch einen dichten Algenteppich. Dieser hat Auswirkungen auf die Gewinnung von Trinkwasser, den Rückgang wertvoller Fischarten und (auch nicht von der Hand zu weisen) auf das Badevergnügen.

Es gibt aber auch für dieses Problem Gegenmaßnahmen, welche ich hier nur einmal kurz nennen möchte.


  • Belüftung; mittels Schlauch wird Luft in das Gewässer gepresst. Möglichst dicht am Grund.
  • Entschlammung; da sich die Schadstoffe aus Phase 2 im Sediment absetzen wird der Schlamm "ausgebaggert"
  • Mechanische Entkrautung
  • Einsatz von pflanzenfressenden Fischen; Fische sollen die Algen im Zaum halten
  • Zwangszirkulation; mittels Quirl, der an einem Boot befestigt ist, wir das Gewässer durchmischt.


Also wundert euch nicht, wenn ihr im Sommer Gewässer seht, die mit Algen überfüllt sind. Es ist ein Anblick an den wir uns leider gewöhnen müssen.


In diesem Sinne... 

Baumhöhe messen mit der Waldfibel-App

Wie bereits hier erwähnt, hat die Waldfibel-App  eine Generalüberholung bekommen. Unter anderem ist jetzt eine Möglichkeit dabei, die Baumhöhe zu messen. Eines gleich Vorweg, es ist eher ein Richtwert als eine genaue Messung.

Wie das Ganze nun funktioniert, zeige ich anhand ein paar Bilder.


©Thomas Engst
Zuerst macht man ein Bild es Baumes, je mehr die Aufnahme den Bildschirm ausfüllt, desto besser wir das Ergebnis.
©Thomas Engst
Als nächstes geht man auf direktem Weg auf den Stamm des Baumes zu. Die App hat ein sonderbares System um die Schritte zu zählen, daher ist es ratsam im Kopf mitzuzählen und dann mittels der "+" und "-" Zeichen zu korrigieren.
©Thomas Engst
 Hat man den Baumstamm erreicht oder mehr als 5 Schritte getan, so erscheint ein braunes Feld mit dem Schriftzug "angekommen". Ich denke mal der Sinn dahinter ist selbsterklärend.

©Thomas Engst
 Als finalen Schritt erscheint, nachdem man auf "angekommen" gedrückt hat, das Bild des Baumes, welches man am Anfang aufgenommen hat. Darauf zu sehen ist die Höhe des Baumes in Metern und noch eine kleine Werbeeinblendung. Man sollte dazusagen, die Höhenangaben beziehen sich immer darauf, wenn der Baum das gesamte Kamerabild ausfüllen würde.

Wie gesagt, es ist sicherlich nicht die genaueste Methode aber sie gibt einen sehr guten Richtwert.


Zum Download.

In diesem Sinne...

Die Waldfibel-App im neuen Gewand

Vor ca. 5 Monaten hatte ich die Waldfibel-App im Blog vorgestellt. Wer möchte kann dies hier nachlesen.
Zum damaligen Zeitpunkt hatte diese Applikation für Android noch enorme Schwierigkeiten und lies sich auf manchen Geräten, darunter Samsung Galaxy S3; Samsung Galaxy Note 2 uns Google Nexus 4, nicht einmal starten.

Fairer Weise muss man sagen, dass das BMELV sich dessen bewusst war und eine Generalüberholung angekündigt hat. Dies ist nun der Fall, ich danke dafür dem Tipp von +Volker Hoff .

Hier mal mein Eindruck von diesem schmucken Stück Software.
Was mir besonders gefällt, ist die Aufmachung des Hauptmenüs. Man hat, nicht wie bei anderen Apps, kein "normales" Menü aus Texten und Buttons, sondern ein richtig schönes Abbild eines Waldes. Durch Wischen nach Links oder Rechts verschiebt man den Bildausschnitt.

©Thomas Engst

©Thomas Engst

Um über ein Tier oder eine Pflanze Näheres zu erfahren, genügt eine Berührung mit dem Finger und es öffnet sich ein neues Fenster, ebenfalls im neuen Look der schlichten Eleganz, mit allerhand Informationen.

©Thomas Engst

©Thomas Engst

Ein besonderes Schmanckerl, ist die Möglichkeit, sich bei den Tieren ihre typischen Rufe vorspielen zu lassen. Desweiteren gibt es eine Karte mit den wichtigsten Wäldern Deutschlands.
Eine Funktion hat mir aber besonders gefallen, und zwar erlaubt es die App anhand eines Menüpunktes die Baumhöhe messen zu können. Wie das in der Praxis aussieht, kann ich leider noch nicht sagen, wird aber im Laufe des Tages getestet.

©Thomas Engst

Die App ist ebenfalls für Windows erschienen, die Webversion gibt es auf der oben verlinkten Homepage oder hier
Man kann sich damit wunderschön über das Thema Wald und seine Bewohner informieren und hat auch noch ein kleines Quiz dazu, welches die eine oder andere Wissenslücke sicher füllen dürfte. Mir gefällt die App richtig gut, aber einen kleinen Wermutstropfen gibt es dann doch: die aktuelle Version ist nicht für Tablets geeignet.

Die App benötigt folgende Berechtigungen:

©Thomas Engst
Viel Spaß damit und in diesem Sinne...

Moore- viel mehr als nur Schlamm

Moore. In unserer Phantasie ein unheimlicher Ort. Dieses Klischee haben wir nicht zuletzt solchen Geschichten wie The Hound of the Baskervilles zu verdanken. Dabei ist es in Wirklichkeit alles andere als gefährlich. Im Gegenteil, ohne Moore wäre unsere Welt eine andere, eine schlechtere.

Moore sind, ähnlich wie der Permafrostboden, ein unverzichtbarer CO2- und Methanspeicher. Ich denke die Bedeutung von Methan sollte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Desweiteren bieten sie einer Vielzahl von Arten einen Lebensraum, wie für das Scheidige-Wollgras (Eriophorum vaginatum) , auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer gleich ersichtlich ist.

Aber das Moor hat einen Nachteil, und zwar einen ganz gewaltigen. Es ist dem Menschen von Nutzen. Der Torfboden gilt als einer der besten Gartenböden und wird in seiner reinsten Form über illegale Wege zu enormen Preisen verkauft, wie immer zum Leidwesen der Natur. Da das Moor ein einziger riesiger Schwamm ist, ist Wasser für sein Fortbestehen das absolut Wichtigste. Dieses wurde jedoch im Laufe der Jahrhunderte durch ein Grabensystem aus dem Moor entfernt, was zur Folge hatte, dass das gesamte Areal trocken fiel und seine Funktion verlor. Der Torf wurde dann im Anschluss aus dem Schwammkörper herausgeschnitten und abtransportiert.

©Thomas Engst

Ich möchte aber an dieser Stelle mehr auf die Unterschiedlichen Moortypen eingehen. Obwohl sie oberflächlich einigermaßen gleich aussehen, gibt es doch Unterschiede die ich hier einmal näher beleuchten möchte.

Moortypen:

Eine erste Einteilung kann man anhand der Art des Zuflusses vornehmen. Da wären die
  • Hochmoore (Regenmoore): Diese werden von Niederschlagswasser gespeist und haben keine Verbindung zum Grundwasser
  • Niedermoore (Reichmoore): Wasserzufluss kommt von Oberflächen-, Boden- und Grundwasser


Versumpfungsmoore:   Sie entstehen durch langsamen Grundwasseranstieg, meist auf wasserdurchlässigen Substraten in abflusslosen Niederungen oder Becken oder durch Stauwasser über wasserundurchlässigen Untergrund.
Charakteristisch für diesen Typus ist ein natürlicher Wechsel von Überstau und Austrocknung. Das hat eine gering mächtige Torfschicht zur Folge.

Verlandungsmoore:   Entstanden  durch das Verlanden von Stillgewässern. Im Gegensatz zu den Versumpfungsmooren, haben diese eine untergelagerte Mudde   die entweder durch die Anlagerung von Sedimenten oder durch Ausfällungen im Gewässer entstanden ist.
Die Zusammensetzung und Beschaffenheit ist ähnlich der von Versumpfungsmooren.

Überflutungsmoore:   In Flussauen durch regelmäßige Überflutungen, die auch z.T, länger anhalten können, entstanden. Eine weitere Möglichkeit zur Entstehung ist die "Vermoorung" in durch Selbsterhöhung des Flussbetts entstandenen Mulden oder an Meeresküsten mit Salz- oder Brackwasser in Senken. Diese nennt man dann Küstenüberflutungsmoore. Ausgeprägt wechselnde Wasserstände mit zeitweiser starker Entwässerung, verbunden mit Torfzersetzung  sind für diesen Typus prägend. Mineralische Ablagerungen wechseln mit Torfschichten ab, Moorwachstumsphasen mit Stillstandsphasen.

Durchströmungsmoore:   Sie werden von Quellmooren gespeist, deren Wasser an Talflanken oder in leicht geneigten Ebenen z.T. flächig austritt.
Permanenter Zustrom nährstoffarmen Grundwassers, das durch den Torfkörper strömt, hält das Moorwasser ständig in Bewegung. Die stauende Wirkung des Torfkörpers erhöht die Wassersättigung und diese wiederum begünstigt das Torfwachstum.  Die wenig zersetzten Torfe können können Wasserstandschwankungen sehr gut ausgleichen, so dass die Mooroberfläche dauerhaft wassergesättigt bleibt. Die Dicke der Torfschicht kann mehrere Meter betragen.  

Quellmore:   Sie sind eher kleinflächig und im unmittelbaren Bereich von Quellaustritten mit dauerhafter Wasserschüttung. Quellmore können als Hangquellmoore oder in der Ebene an Austrittstellen von gespannten Grundwasser auftreten. Ihre Torfe sind aufgrund des sauerstoffreichen Wassers geringmächtig  und stark zersetzt.

Kesselmoore:   Durch Zufluss von Oberflächen- oder Zwischenabflusswasser in kleine, abflusslose Senken mit abflussgehemmten Mooruntergrund. Sie gehen aus Versumpfungs- oder Verlandungsmooren hervor. Im Zentrum kann es zu Nährstoffverknappung kommen. Dieses ermöglicht eine Ansiedlung von Torfarten. Diese können Niederschlagswasser aufnehmen und in Ruhe aufwachsen.
Aus kleinem Einzugsgebiet findet ständig ein Wasser- und Nährstoffeintrag durch Oberflächen- und teilweise auch unterirdisch zulaufenden Wasser statt, der ein größeres Herausheben der Torfmoosdecken verhindert.


Alle diese Typen gehören zu der Gruppe der Niedermoore.


©Thomas Engst- Scheidiges Wollgras




Für die Hochmoore  gibt es keine solche Einteilung in Unterkategorien. Hochmoore entstehen durch Rückhaltung von Regenwasser und sie bilden unabhängig vom Grundwasser einen eigenen Moorwasserspiegel aus. Sie entstehen in niederschlagsreichen Gebieten mit Regenmengen >700 bis 800 mm.

Regenmoore oder auch Hochmoore, regulieren ihren Wasserstand maßgeblich in den obersten Dezimetern des Moorkörpers. Der Wasserspiegel wird durch die Wasserrückhaltefähigkeit bestimmter Torfmoose beeinflusst. Nur wenige Torfmoosarten können einen funktionierenden Moorkörper aufbauen. Hier ist eine Auswahl:  Sphagnum magellanicum, Sphagnum papillosum, Sphagnum imbricatum, Sphagnum fuscum und  Sphagnum rubellum. Noch ein Tipp für Wanderer: Auf roten Sphagnumarten kann man sicher laufen, auf grünen sollte man es nicht.


©Thomas Engst


Ich hoffe ich konnte euch etwas neues vermitteln. Lasst mich wissen, wenn ihr Fragen habt oder erzählt mir von euren Erfahrungen mit dem Thema Moor.


In diesem Sinne...




Was passiert wenn die Kohle geht?

Wir in Deutschland, speziell in der Lausitz erleben es gerade hautnah. Die Braunkohle frisst unsere Heimat und die über lange Zeiträume gewachsene Natur muss ihr ebenfalls weichen.

Man kann jedoch nicht die Notwendigkeit abstreiten. Mir ist bisher noch keine Möglichkeit der Energiegewinnung bekannt, die es ermöglicht rund 80 Millionen Deutsche konstant mit Strom zu versorgen. Sicherlich, alternative Ideen wie Solar oder Windräder sind im Gespräch aber aus heutiger Sicht wäre dies mit Nutzungseinschränkungen verbunden und Einschränken will sich der Mensch nun mal so gar nicht.

©Thomas Engst


Jetzt will ich hier keine hitzige Diskussion über die Art und Weise der Stromgewinnung vom Zaun brechen, ich möchte mal den Blick zu unseren Nachbarn im Osten schweifen lassen. In die Tschechei. In einem vorherigen Beitrag habe ich bereits die Schönheit des böhmischen Erzgebirges erwähnt und ich könnte schon wieder davon anfangen aber, lassen wir das.

Nicht weit von der deutschen Grenze entfernt befindet sich das kleine Städtchen Brüx (oder Most), besser gesagt es befand sich dort. Es musste der Kohle weichen. Aber der Reihe nach. Für die Aufnahme des Braunkohletagebaus wurde der Jan-Hus-Schacht geschaffen. Dies hatte die komplette Zerstörung der Altstadt Brüx zur Folge. Mit der Sprengung des Stadtzentrums zu Beginn der 1960er Jahre blieben nur noch ein altes Villenviertel aus dem auslaufenden 19. Jahrhundert sowie etliche Bauten aus den 1920er Jahren bestehen.

©Thomas Engst

Als letztes Gebäude des alten Brüx existiert heute nur noch die, aus historischer Sicht wertvolle, Dekanatskirche Mariä-Himmelfahrt. Diese ehemalige Stadtpfarrkirche wurde im Jahre 1975 in einer spektakulären Aktion unter enormen Aufwand samt ihren Fundamenten auf Schienen verschoben und 841 m weiter an an ihren neuen Standort gebracht. Neunzig Grad verdreht.

©Thomas Engst


Aber Most ist nicht von der Erdoberfläche verschwunden. Man hat es an neuer Stelle wieder aufgebaut und den Tagebau, nach seiner Erschöpfung, rekultiviert.
Die rekultivierten Flächen werden nun zur Erholung oder zum Baden, aber auch zum Obst- und Weinanabu genutzt. Ähnlich wie unsere Goitzsche bei Bitterfeld-Wolfen.

©Thomas Engst


Die Bilder im Artikel zeigen wie man mit einem ehemaligen Tagebau umgehen kann. Das bedeutet nicht, dass ich Tagebaue in irgendeiner Form gutheiße aber wir müssen damit leben, solange die Lobby daran fest hält. Man kann sie mit naturschutzfachlichem Know-how wieder zu sinnvollen Flächen machen aber das ist in keinster Weise ein Ersatz für eine intakte Landschaft.

In diesem Sinne...

Ökologische Strategietypen von Pflanzen


Bei meinem Sonntagsspaziergang heute morgen kam mir die Idee, als ich die Stadtvegetation sah, mal etwas über dieselbige zu schreiben.  Jeder weiß, dass es in Städten ebenfalls Vegetation gibt, ob sie nun besonders schön oder reichhaltig ist, sei erst einmal dahingestellt. Wir wollen heute einen Blick auf die verschiedenen Strategien zur Anpassung  der Pflanzen werfen. Also im Klartext, welche Varianten in Sachen Wuchs, Stoffwechsel oder Ökologie gibt es und wie sind sie ausgeprägt?

In der Ökologie sowie in der Vegetationskunde werden drei Arten von Pflanzenstrategen unterschieden.

R-/C(K)-/S-Strategen.  In diese Kategorien lassen sich alle Pflanzen einteilen. Sollte jemand noch eine kennen, dann ist diese mir neu und ich würde darum bitten, sie mir mitzuteilen.

Die R-Strategen:

Das "R" steht für ruderal" und bedeutet soviel wie "Trittfest". Diese Vertreter sind perfekt an das vom Menschen überprägte Siedlungsgebiet angepasst. Aufgrund ihre Wuchsform, flach und an den Boden gedrückt, sind sie äußerst resistent gegen Störungen und Tritt. Als Rosettenpflanzen haben sie ein schnelles Wuchsvermögen und eine sehr hohe Blühfrequenz, welches es ihnen ermöglicht, sich nach einer Störung oder anthropogenen Beeinträchtigung wieder schnell zu erholen. Desweiteren gibt die Schnelligkeit ihnen einen ausreichenden Zeitvorteil bei der Besiedlung von geeigneten Flächen. Desweiteren trifft man sie auf städtischen Brachflächen an. Auf verlassenen Parkplätzen ehemaliger Discounter stehen zu fast 100% Vertreter dieser Pflanzentypen. Aber die Schnelligkeit im Wuchs hat auch ihren Preis, ruderale Arten sind äußerst kurzlebig.  Den Großteil ihrer Stoffproduktion setzen sie in das Reproduktionsvermögen.  Ein besonders ungeliebter Bursche ist (hier gelb im Bild) die Kanadische-Goldrute, Solidago canadensis, eine ehemalige Gartenpflanze die uns jetzt vor ganz schöne Probleme stellt.

©Thomas Engst

Dieses Bild zeigt schön wie sich die R-Strategen anpassen und jede noch so kleine geeignete Stelle in Beschlag nehmen. Ebenfalls sieht man bei dem Löwenzahn, Taraxacum sect. ruderalia,  auch schön die Ausprägung der Rosette.

©Thomas Engst

Hier kann man erkennen was ich mit "Trittpflanzen" meinte. Durch ihren kleinen und flachen Wuchs, sowie der relativen Anspruchslosigkeit an Nährstoffen sind sie in der Lage in zwischen Pflastersteinen zu leben. Die eine oder andere Schuhsohle macht ihnen dabei nicht das Geringste aus.

©Thomas Engst

©Thomas Engst



Die C-Strategen:

C- oder im deutschen K-Strategen habe ihren Namen durch ihre hohe Konkurrenzkraft erhalten. Sie weisen ein hohes, laterales Blattwerk auf und haben robuste Blätter. Wie seine Kollegen von den R-Strategen haben sie einen schnellen Wuchs, jedoch eine hohe Lebensdauer. Dadurch, dass sie auf Boden wachsen, der gut mit Nährstoffen versorgt ist, spielt die Stoffspeicherung eine eher untergeordnete Rolle. Wie bei so vielem in der Natur, sind auch hier keine klaren Grenzen möglich. Der Kompasslattich, Lactuca serriola,beispielsweise ist ein C/R-Stratege.

Die S-Strategen:

Das S im Namen steht für "Stress". Diese Pflanzen sind ebenfalls an Tritt oder andere Störungen gewöhnt und kommen damit klar. Im Gegensatz zu den R-Strategen sind sie meistens immergrün und haben schmale, ledrige, oft nadelförmige Blätter. Sie wachsen auf sehr nährstoffreichen Böden und haben daher alle zeit zum Wachsen. Sie sind daher sehr langlebig und langsam wachsend.  Denn nur was lange währt wird gut.


So, das waren meine Gedanken zu dem Thema. Vielleicht habt ihr ähnliche Beispiele vor eurer Haustür. Lasst es mich wissen.


In diesem Sinne...





Nationalpark Nordschwarzwald - Was gibt's Neues?

Vor einer Weile, als der Blog und ich noch jünger waren, hatte ich über die Entstehung des Nationalpark Nordschwarzwald berichtet.

Da ja seit dieser Zeit einige Leser hinzugekommen sind, die sich wahrscheinlich nicht durch das Archiv gewühlt haben, habe ich hier , hier und hier noch einmal die  Artikel verlinkt. Ach ja, hier ist auch noch einer.

Nun sind ja seit dem ein paar Tage vergangen und ich finde es ist wieder an der Zeit mal nach dem Projekt zu schauen.
Auf der offiziellen Homepage prangt in fetter Schrift die Meldung : Zwei Drittel sind für den Nationalpark Schwarzwald. Soweit alles klar aber was steckt dahinter?

Rund 70% der Menschen in Baden-Württemberg sind nach wie vor dem Projekt positiv gegenüber eingestellt und begrüßen das Vorhaben. Ebenfalls so positiv steht der Nordschwarzwald zu dem Vorhaben einen neuen Nationalpark auszuweisen und einen großen Schritt in Sachen Naturschutz zu wagen. Dies ergab eine repräsentative forsa-Umfrage unter 1001- Baden-Württembergern in der zweiten Augusthälfte 2013. In Auftrag gegeben wurde diese Umfrage vom NABU-BW.
Besonders schön ist die Tatsache, dass die Zustimmung, verglichen mit einer Umfrage aus dem Jahre 2012, noch um einige Prozentpunkte anwachsen konnte. In Zahlen heißt das, dass 69% der Befragten den Nationalpark als "gut" oder "sehr gut"  empfinden. 2012 waren es noch 65%. Aber es gibt auch Gegner, wie immer. Wahrscheinlich sind es Besitzer von Sägewerken oder Holzfabriken bzw. Papiermühlen die um ihre Existenz bangen. Jetzt möchte deren Probleme nicht wegreden aber die Gegenstimmen belaufen sich auf 9%. Damit sind sie nahe an der Bedeutungslosigkeit.


Quelle: nationalparknordschwarzwald.de


Wie seht ihr das? Braucht Deutschland so ein Projekt? Wie ist eure Meinung dazu? Seid ihr eventuell aus der Region und wisst näheres? Mich würde es interessieren.

In diesem Sinne...
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