Naturgebloggt

Naturschutz - weil's wichtig ist.

Holographischer Naturschutz? Vielleicht schon bald Realität.

MSFT_logo_rgb_C-Gray_2Oh man, was war das für ein Auftritt der Holo Lens gestern Abend. Im Rahmen der Entwicklerkonferenz BUILD 2015 von Microsoft bekam die Virtual-Reality-Brille "Holo Lens" mal wieder Ausgang und ließ ihre Muskeln spielen. Bereits Anfang des Jahres sorgte diese Anwendung für offene Münder und ungläubige Gesichter. Das ehemals träge und sperrige Unternehmen aus Redmont hat sich mit einem Schlag wieder cool gemacht. Gestern dann also die zweite Vorstellung des Gadgets in der Öffentlichkeit. Während ich es zu Beginn nach wie vor befremdlich fand, mit so einem "Ding" auf dem Kopf durch den Tag zu gehen und ich nicht glaube (oder hoffe), dass wir eines Tages so unsere Zeit mit Mitmenschen verbringen, ging meine Denkweise alsbald in Richtung Bildung.


[youtube https://www.youtube.com/watch?v=8t3dNIl0AeU]

Die Anwendungszwecke auf der Bühne sind in meinen Augen reines Marketingsprech und werden der Lens nicht annähernd gerecht. Schaut man aber in den Education-Bereich, so werden unglaubliche Anwendungsbeispiele beinahe zur Realität. Natürlich wird meine Branche, der Naturschutz, nicht zuerst davon profitieren, vielmehr kommen "trendigere Gebiete" anfangs in den Genuss, aber irgendwann wird die holographische Arbeitsweise flächendeckend Anwendung finden. Im Bereich Naturschutz könnte es wie folgt aussehen: Man bewegst sich durch Modelle von Lebensräumen aus Regionen, die auf der anderen Seite der Erde liegen, Schüler und Studenten können Tiere und Pflanzen als Hologramm aus nächster Nähe betrachten oder man simuliert einen Spaziergang durch die Natur, mitten im Klassenzimmer. Jetzt werden einige empört aufschreien und sagen: "Dann geht doch real in die Natur". Das stimmt, daher sollte man die Holo Lens auch nur als Ergänzung sehen, nicht als Ersatz. Wer kann den schon die Fauna und Flora der tropen bspw. im realen Leben erkunden. Auch wenn durch die anhaltende Digitalisierung einiges an Umdenken auf uns zukommt, hält sie doch Möglichkeiten bereit, die wir heute nur erahnen können.

Mehrheit ist gegen Kohle

[caption id="attachment_2956" align="alignleft" width="300"]Quelle: http://www.wwf.de/?id=12030 Quelle: http://www.wwf.de/?id=12030[/caption]

Wie aus einer aktuellen Studie des WWF und Bürgerbewegung Campact hervorgeht, sind fast Dreiviertel für eine Abkehr von der Kohle als Hauptenergielieferant. In einer repräsentativen TNS Emnid Umfrage unter 1002 Bundesbürgern stehen immerhin 70% hinter der aktuellen Kanzlerin und ihrem Wirtschaftsminister Gabriel. Laut diesen 70% sollen weitere Maßnahmen ergriffen werden, um das selbsternannte Klimaziel von 40% weniger Emissionen bis 2020 zu erreichen. Um da zu erreichen, soll die Stromproduktion in den älteren und damit klimaschädlichen Kraftwerken gedrosselt und später eingestellt werden. Sogar betroffene Regionen wie Rheinland oder Brandenburg stehen einstimmig hinter diesen Zielen und den dafür notwendigen Vorhaben. Allerdings ist die Energiewende, wenn es sie denn noch gibt, fast zum Erliegen gekommen. In vielen Fällen steht man sich selbst im Weg und geht manchen Weg nicht konsequent weiter. Obwohl ich das Vorhaben ebenfalls begrüße, bin ich doch sehr skeptisch. Sind unsere alternativen Energiequellen wirklich so leistungsfähig um uns konstant mit Strom zu versorgen? Auch wenn ca. 60 Millionen Deutsche im Sommer zur gleichen Zeit Fußball schauen, am PC hängen und im Kinderzimmer die Konsole läuft? Sind sie flexibel genug Schwankungen in der Produktion abzufangen? Schaut man sich das Beispiel Windmühlen oder WKA an, so sind diese auf den ersten Blick nicht schlecht. Was ist aber mit der Problematik der Zugvögel, Fledermäuse und Strömungsveränderungen? Windparks bergen Unmengen an ökologischen Gefahren, an Land wie auf dem Wasser. Wie dem auch sei, das Thema Energie wird uns noch so lange begleiten, wie der Mensch dem maßlosen Verbrauch frönt.




[caption id="attachment_2957" align="aligncenter" width="660"]Quelle: http://www.wwf.de/?id=12030 Quelle: http://www.wwf.de/?id=12030[/caption]

Blogjubiläum - Eine Zusammenfasung, ein Ausblick und ein Dank

Am heutigen Tage jährt sich das Jubiläum von "Naturgebloggt" schon zum zweiten Mal. Fraglich, ob man nach so einer kurzen Zeit schon von einem Jubiläum sprechen kann, aber ich mache es trotzdem, denn ich habe wirklich jeden einzelnen Beitrag und jede einzelne Interaktion mit euch genossen. Viel ist im letzten Jahr passiert, sowohl im Naturschutz, als auch mit dem Blog allgemein. Die wohl größte Veränderung dürfte der Umzug zu Wordpress gewesen sein. Vielen Dank an dieser Stelle an die Helfer hinter den Kulissen.  Auch wird der Stammleser bemerkt haben, dass es etwas fotolastiger geworden ist. Aber das scheint euch ja nicht zu stören. Auch in Zukunft werden immer wieder Themen abseits von Natur und Naturschutz den Weg in das Blog finden. Ich hatte es vorhin schon erwähnt, am meisten Freude hatte ich an den Interaktionen mit der Leserschaft, also mit euch. Durch das Blog sind auch im letzten Jahr Freundschaften, Kontakte sowie interessante Projekte entstanden, die ich nicht missen möchte. Viele Fragen und Anregungen haben mich erreicht, auf jede einzelne habe ich geantwortet, denn das bin ich euch schuldig. Wenn ihr mir euer Interesse im Schreiben von Fragen bekundet, so ist es selbstverständlich, dass ich antworte. Sogar Skype wurde hin und wieder bemüht um zu korrespondieren. Einmal sogar als ich mitten im Gelände war. Wie geht es nun aber weiter mit Naturgebloggt? Eigentlich so wie bisher. Ein bunter Mix aus Naturschutz und Off-Topic Themen. Solange es hier auch nur einen Leser gibt, haue ich weiter in die Tasten. Als Schlusswort möchte ich euch noch meinen Dank für  eure Treue, Interesse und Fragen aussprechen und blicke gespannt in das nächste Jahr und hinterlasse euch einen kleinen Blumengruß.




[caption id="attachment_2952" align="aligncenter" width="660"]Naturgebloggt wird 2. Danke an euch. Naturgebloggt wird 2. Danke an euch.[/caption]

Terra Mineralia - faszinierendes Gestein in Nahaufnahme

[caption id="attachment_2939" align="alignleft" width="300"]Rodochrosit (Fundort: Peru) Rodochrosit (Fundort: Peru)[/caption]

Ich gebe es zu, Geologie wird mir immer ein Rätsel bleiben. Die meisten Namen der Mineralien kann ich nur nach mehrmaligem Üben richtig benennen. Aber aus Sicht des Fotografen finde ich Gesteine dann wieder interessant. Nicht wenige haben erstaunliche Farben in ihrem Inneren, teilweise werden diese erst durch UV-Licht sichtbar. Um mich in diesem Gebiet der Makrofotografie zu erproben, besuchte ich heute die Terra Mineralia in Freiberg, Sachsen. Im Freiberger Schloss Freudenstein werden auf mehreren Etagen Mineralien aus aller Herren Länder ausgestellt und imposant in Szene gesetzt. Erwartungsgemäß waren noch mehr Besucher vor Ort aber die Menge verlief sich recht schnell. Es machte mir, dem Laien, aber Spaß den Geeks zu lauschen und mir das ein oder andere erklären zu lassen.Im Naturschutz, um den Bogen zu kriegen, spielt Boden zwar auch eine sehr wichtige Rolle, gibt er doch wertvolle Informationen über die zu erwartenden Pflanzen und Lebensgrundlagen, aber in solchen Farben bekommen wir das Gestein im Regelfall nicht zu Gesicht. Aus insgesamt 100 Bildern habe ich mal die (in meinen Augen) schönsten herausgesucht.




[caption id="attachment_2948" align="aligncenter" width="646"]Schörl Apatit Muskonit Albit (Fundort: Pakistan) Schörl Apatit Muskonit Albit (Fundort: Pakistan)[/caption]

[caption id="attachment_2947" align="aligncenter" width="646"]Kyamit (Fundort: Brasilien) Kyamit (Fundort: Brasilien)[/caption]

[caption id="attachment_2946" align="aligncenter" width="646"]Elbait Var.Rubellit (Fundort: Leipoldith) Elbait Var.Rubellit (Fundort: Leipoldith)[/caption]

[caption id="attachment_2945" align="aligncenter" width="646"]Edelopal (Fundort: Australien) Edelopal (Fundort: Australien)[/caption]

[caption id="attachment_2944" align="aligncenter" width="646"]Calcit unter UV-Licht (Fundort: USA) Calcit unter UV-Licht (Fundort: USA)[/caption]

[caption id="attachment_2943" align="aligncenter" width="646"]Azurit auf Malachit (Fundort: USA) Azurit auf Malachit (Fundort: USA)[/caption]

[caption id="attachment_2942" align="aligncenter" width="646"]Apatit (Fundort: Pakistan) Apatit (Fundort: Pakistan)[/caption]

[caption id="attachment_2941" align="aligncenter" width="646"]Anglesit auf Galentit (Fundort: Marokko) Anglesit auf Galentit (Fundort: Marokko)[/caption]

[caption id="attachment_2940" align="aligncenter" width="646"]Amethyst (Fundort: Namibia) Amethyst (Fundort: Namibia)[/caption]

Neue Webiste für Vogelfreunde (ornithologischer Inhalt)


Wenn man als Interessierter den Einstieg in die Naturschutz-Branche sucht, so geht das meistens über den Vogelschutz. Zumindest nach meinen Erfahrungen haben viele Naturschützer ihre ersten Schritte in diesem Themenfeld gemacht. Die Ornithologie ist fast so alt wie die Menschheit selbst und leistet nicht selten einen wertvollen Beitrag. So haben viele der heutigen Naturschutzverbände sich in ihren Gründungsjahren mit Vogelkunde beschäftigt und als Vorreiter den Weg für so manches Naturschutzgesetz geebnet. Allen voran der NABU. Dank dem Einsatz von vielen Ehrenamtsträgern konnte so über die Jahre ein wahrer Schatz an Daten gesammelt werden. Die heutige Vogelwelt ist manchmal besser überwacht als unsere privaten Daten. Eine solche Website zum Thema Ornithologie hat jetzt ein neues Gewand bekommen. Daher an dieser Stell ein, nicht ganz unbefangener, Hinweis auf die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Strenzfeld (Bernburg), welche an meiner Hochschule tätig ist. Vordergründlich richtet sich die Website an Einsteiger und interessierte Laien. Sie vereinfacht anhand Hintergrundinfos zur Vogelbeobachtung sowie Tipps zur richtigen Bestimmung sowie Infos zum aktuellen Geschehen in der Szene den Einstieg in die Welt der Flattermänner. Schwerpunktmäßig richtete sie sich an die Frage „Wo und wann welche Vogelart“ und wartet mit einer Top-Ten Liste der spannendsten Gebiete der Region auf. Natürlich die Seite nicht in Stein gemeißelt, sie soll in Zukunft ausgebaut wachsen und mit eurer Hilfe noch umfassender werden. Und da wir, Vogel- und Naturschützer, nun einmal an einem Strang ziehen, kommen auch botanische und faunistische Aspekte nicht zu kurz. Als Schlusswort bleibt noch zu sagen, dass Kritik ausdrücklich erwünscht ist und nun viel Spaß beim Stöbern und Entdecken. Zur Website gelang ihr hier.




[caption id="attachment_2931" align="aligncenter" width="922"]Quelle: www.oagstrenzfeld.wordpress.com Quelle: www.oagstrenzfeld.wordpress.com[/caption]

Helix pomatia - Face to face

[caption id="attachment_2915" align="alignleft" width="300"]Helix pomatia Helix pomatia[/caption]

Eigentlich wollte ich heute ein paar seltene Pflanzen auf den sprichwörtlichen Film bannen, allerdings war ich, wie fast jedes Jahr, zu zeitig zur Stelle. Das Objekt der Begierde hatte für sich noch keinen triftigen Grund gefunden, schon jetzt auszutreiben.  Resigniert packte ich daher meine Ausrüstung wieder ein, als mein Blick auf ein Prachtexemplar von Helix pomatia fiel. Hinter diesem Namen verbirgt sich die Weinbergschnecke, auch "Wie-Sand-am-Meer"-Schnecke genannt. Da ich eh das Makroobjektiv auf der Kamera hatte, verlagerte ich mein Anliegen von Flora auf Fauna und versuchte die Schnecke ins Visier zu bekommen. Die Weinbergschnecke ist eine in ganz Deutschland heimische Art, sie bevorzugt offene Landschaften, Gebüsche und lichte Wälder als Lebensraum. Hauptsache es ist kalkreich. In ihrer Natur liegt es, ihrem Standort treu zu bleiben und im Gegensatz zu anderen Schnecken, kann sie eine hohe Amplitude in Sachen Anpassungsfähigkeit vorweisen.  Ihr Vorkommen erstreckt sich  über ganz Europa verbreitet und somit ist sie die am weitesten verbreitete Art.  Wie bei allen Schnecken gliedert sich ihr Körper in Kopf, Fuß, Eingeweidesack und Mantel. Mit einer Größe von bis zu 10 cm legt sie ordentlich vor und ist in der Landschaft kaum zu übersehen. Ihr Gehäuse ist bei lebenden Tieren bräunlich gefärbt und misst im Durchmesser ca. 3-5 cm. Lebende Schnecken überziehen ihr Gehäuse mit einer Art Schutzschicht, daher sehen verlassene oder abgestoßene Häuser immer etwas blass und weißlich aus.
[vimeo 125810702 w=560 h=315]


Helix pomatia from Thomas Engst on Vimeo.

Anmerkung: Anders als die Zeitraffer ist das hier keine aufwendige Sache gewesen, daher bitte ich euch, die Qualität zu entschuldigen.

Lernen mit dem Wolf zu leben (ein Leitfaden)

"Lernen mit dem Wolf zu leben", so heißt der aktuelle Leitfaden des WWF zu einem der aktuellsten Themen im Naturschutz. Deutschland ist schon lange wieder Heimat des grauen Jägers und damit kommt auf uns, den Menschen, eine  immense Verantwortung zu. An dieser Stelle möchte ich nicht schon wieder die Pro- und Contra Diskussion ausrollen, die hatten wir hier schon zur Genüge, vielmehr möchte ich euch ein stück Literatur empfehlen, welches sich zu lesen lohnt. Mittlerweile ist der 2011 veröffentlichte Leitfaden in der vierten Auflage bzw. Überarbeitung verfügbar und weist mit aktuellen Zahlen auf.  Empfehlenswert ist der Leitfaden deshalb, da relativ ausführlich auf alle (potentiellen) Konfliktbereiche eingegangen wird, somit werden die verschiedenen Standpunkte veranschaulicht, die der gemeine Naturschützer (mich einbezogen) manchmal zu blauäugig sieht. Ich lege dieses Heftchen jeden ans Herz, der sich für das Thema interessiert oder in einer der "betroffenen" Branchen unterwegs ist. Viel Spaß beim Lesen.


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Adonis vernalis, wer ist mehr?

Adonis_vernalis_am Hang 2Unter Botanikern gibt es, trotz der Liebe zu allen Pflanzen, eine Liste mit Arten, die besonders angesagt sind. Orchideen stehen beispielsweise hoch im Kurs. Kaum ist man in Reichweite einer solchen Pflanze, wird sich auf den Boden geschmissen und fotografiert (auch wenn man schon 4711 Bilder der gleichen Art hat) oder mit Lupen geschaut. Eine solche Art ist zum Beispiel das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis). Diese, aus der Familie der Hahnenfußgewächse stammende Art gehört zu den Stars unserer Flora. Es steht in ganz Zentraleuropa unter Schutz, nach FFH. Ursprünglich aus Sibirien hat es schon seit der letzten Eiszeit den Weg zu uns gefunden und sich auf Trocken- und Steppenrasen etabliert. Diese Art ist sehr anspruchsvoll und hat in (Ost) Deutschland ihr westlichstes Vorkommen. Das Frühlings-Adonisröschen ist eine perennierende krautige Pflanze, welche eine Wuchshöhe von 10-30 cm erreichen kann.




[caption id="attachment_2903" align="aligncenter" width="646"] Adonis vernalis[/caption]

Seinen Lebensraum hat es auf offenen Flächen mit wenig Verbuschung gefunden. Man kann daher sagen, dass der Mensch mit seiner historischen Nutzung der Landschaft durchaus für beim Ansiedeln geholfen hat. Beweidung und Waldrodung haben hier wahre Wunder vollbracht. Leider hat sich die anthropogene Nutzung der Lebensräume und deren Umgebung negativ verändert. Zunehmende Verbuschung, Wiederbewaldung und intensiver Ackerbau haben der Verbreitung von Adonis vernalis sehr zugesetzt. Heute hat es in Mitteleuropa lediglich vereinzelte Reliktvorkommen.




[caption id="attachment_2905" align="aligncenter" width="646"]Adonis vernalis Adonis vernalis[/caption]

Ich für meinen Teil bin immer ganz aus dem Häuschen, wenn ich auf meinen Streifzügen dieser Art begegne. Da bin ich nicht anders als meine Kollegen, da wird sich auf den Boden geschmissen und geknipst was das Zeug hält, auch wenn ich bereits 4711 Bilder dieser Art zu Hause habe.




[caption id="attachment_2906" align="aligncenter" width="646"]Adonis vernalis Adonis vernalis[/caption]

[caption id="attachment_2907" align="aligncenter" width="646"]Adonis vernalis Adonis vernalis[/caption]

Der Phänologische Kalender

[caption id="attachment_2885" align="alignleft" width="300"]Pulsatilla vulgaris, aufgenommen mit Blende f4 Pulsatilla vulgaris[/caption]

Schaue ich aus dem Fenster meines Arbeitszimmers, so sehe ich einen wunderschön blühenden Kirschbaum. Ebendieser brachte mir die Idee  dieses Beitrages. Im Laufe der Geschichte gab es eine Unzahl von verschiedenen Kalendern. Angefangen bei "einfachen" Sternbeobachtung über die Jahreszeiten, bis hin zu unserem Gregorianischen Kalender hat sich die Menschheit schon allerhand Hilfsmittel bedient um einigermaßen strukturiert durch das Jahr zu kommen. Eine Möglichkeit den Durchblick zu behalten ist jedoch eher weniger bekannt. Die Phänologie der Pflanzen. Dem darauf basierenden Kalender liegt das Erscheinen bzw. Blühen verschiedener Pflanzen zu Grunde. Das sieht zwar optisch schöner aus als ein Blatt Papier mit Zahlen, jedoch liegen die Tage pro Jahr manchmal deutlich auseinander, da sie maßgeblich von den Entwicklungen in der Natur abhängen. Zum System: Es werden zu jeder phänologischen Jahreszeit sogenannte Zeigerpflanzen zugeordnet.  Welche das sind, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass ihr in jedem Jahr nach den gleichen Pflanzen guckt. Lassen wir das Jahr bspw. mit der Blüte von Obstbäumen beginnen. In meinem Falle, mit der Kirsche. Logischerweise tritt die Kirschblüte in jedem Jahr zu verschiedenen Zeiten ein. Auch in der Phänologie gibt es Jahreszeiten:




  • Vorfrühling: Beginn mit Blüte von Hasel, Märzenbecher und Schneeglöckchen, Ende mit Blüte der Salweide

  • Erstfrühling: Beginn mit Blüte der Forsythie sowie von Beerensträuchern wie der Stachelbeere und Obstbäumen wie Kirsche, Pflaume und Birne, von Schlehe und Ahorn; Laubentfaltung von Birke und Buche.

  • Vollfrühling: Blüte von Apfel, Flieder und Rosskastanie; Laubentfaltung von Eiche und Hainbuche.

  • Frühsommer: Blüte von Holunder, Roggen, Robinie sowie Blütehöhepunkt der Wiesen und Getreidefelder; am Ende des Frühsommers erste Heumahd.

  • Hochsommer: Lindenblüte und Reife von Johannisbeere und Winterroggen.

  • Spätsommer: Heideblüte, Reife früher Obstsorten und der Eberesche, Getreideernte und zweite Heumahd.

  • Frühherbst: Herbstzeitlosenblüte, Reife von Holunder und Rosskastanie, Höhepunkt der Obsternte.

  • Vollherbst: Kartoffelernte und allgemeine Laubverfärbung.

  • Spätherbst: Zeit des allgemeinen Laubfalls und Abschluss der Vegetationszeit.

  • Winter: Periode zwischen Ende der Vegetationszeit und Haselblüte. Winterbeginn mit dem Auflaufen des Winterweizens (via NABU).


Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat auf seiner Seite eine interessante Zusammenstellung von Daten zu diesem Thema. Für regionale Infos kann man sich den Zeitpunkt Vegetationsentwicklung anzeigen lassen. Für den schönsten Freistaat der Welt sieht das ungefähr so aus.




[caption id="attachment_2900" align="aligncenter" width="660"]Phänologie in Sachsen (Quelle: DWD) Phänologie in Sachsen (Quelle: DWD)[/caption]

Makrofotografie - Schmetterlinge, Orchideen und Lutz

Private Umstände trieben mich gestern nach Erfurt. Genauer gesagt auf das Gelände der Erfurter Gartenschau (ega-Park). Trotz der noch recht frühen Jahreszeit wird auf dem Gelände schon fleißig gewerkelt und gemacht. Da es in Sachen Blumen etc. noch etwas knapp aussieht, beschloss ich, dem Tropenhaus einen Besuch abzustatten. Natürlich mit Kamera. Haben sich Mensch und Maschine an die teils gewöhnungsbedürftigen Temperaturen gewöhnt (ich bin halt eher ein Freund des Nordens) hat man allerhand Motive zur Auswahl. Von Orchideen über Schmetterlinge bis hin zu Reptilien kann man sich etwas heraussuchen. Da ich Zeit hatte, mussten sie alle für meine Passion herhalten. Den Anfang machten die (allesamt nicht heimischen) Schmetterlinge.




[caption id="attachment_2888" align="aligncenter" width="660"] Lepidoptera spec. Lepidoptera spec.[/caption]

[caption id="attachment_2889" align="aligncenter" width="660"]Idea leuconone Idea leuconone[/caption]

[caption id="attachment_2890" align="aligncenter" width="660"]Idea leuconone Idea leuconone[/caption]

[caption id="attachment_2891" align="aligncenter" width="660"]Papillio anchisiades Papillio anchisiades[/caption]

Als Freund der Flora dürfen natürlich auch keine Bilder von chlorophyll-lastigen Exemplaren fehlen. Evergreens in solchen Anlagen sind Orchideen und Kakteen. Sie sind vergleichsweise pflegeleicht und haben eine immense Vielfalt. Ebenfalls werden überwiegend nicht heimische Arten gezeigt.




[caption id="attachment_2892" align="aligncenter" width="660"] Hamatocactus sinuatus[/caption]

[caption id="attachment_2893" align="aligncenter" width="660"] Orchidaceae spec.[/caption]

[caption id="attachment_2894" align="aligncenter" width="660"] Orchidaceae spec.[/caption]

Ebenso entspannt wie Pflanze und Schmetterling war er hiesige Leguan. Leider Habe ich versäumt nachzuschauen, welcher Art er entstammt. Nennen wir ihn deshalb Lutz. Lutz ließ sich überhaupt nicht stören und ertrug es mit stoischer Gelassenheit. Entweder war er den Rummel um seine Person gewohnt oder es ist eben ein Leguan-Ding. Was Lutz an Kooperationsbereitschaft hatte, fehlte der Umgebung. Dank einer Luftfeuchte wie in den Tropen beschlug die Kameralinse ohne Unterlass. Ein geborgtes Brillenputztuch schaffte Abhilfe und ermöglichte noch ein zwei brauchbare Bilder. An dieser Stelle einen Dank an den edlen Spender.




[caption id="attachment_2895" align="aligncenter" width="660"]Lutz aka Godzilla Lutz aka Godzilla[/caption]

Godzilla_nah


Makrofotografie - die Sache mit der Blende

Seit ein paar Tagen befasse ich mich verstärkt mit dem Feld der Makrofotografie. Zum Einsatz kommt dabei ein Sigma Objektiv 105mm/f 2.8 . Sicherlich nicht das beste auf dem Markt aber für meine Zwecke mehr als ausreichend. Da ich noch absoluter Neuling bin und mir alles mehr oder weniger autodidaktisch beibringe, sind meine Bilder alles andere als perfekt. Daher habe ich mich entschlossen, in unregelmäßigen Abständen über meine eventuellen Fortschritte zu berichten und, wer weiß, vielleicht kann der ein oder anderer Leser ja etwas aus den Beiträgen mitnehmen.


Ein Bild mit Makro-Motiven steht und fällt mit der Gestaltung bzw. der Zusammenstellung der Farben.  Nicht selten sieht es auf dem Kamerabildschirm besser aus als auf dem Monitor. Ebenfalls macht Wind bzw. das leichteste Lüftchen die Sache nicht gerade leichter. Hat man das Motiv scharfgestellt, durch die Festbrennweite geht das nur mittels Verrücken der Kamera, und den 2-Sekunden Auslöser aktiviert, kommt spätestens dann die erste Windböe. Um das zu vermeiden, habe ich mir einen "Schutzkasten" aus Acryl gebastelt.




[caption id="attachment_2878" align="aligncenter" width="660"]"Schutzkasten" im Einsatz "Schutzkasten" im Einsatz[/caption]

So ausgerüstet kann bis Windstärke 12 gefahrlos geknipst werden. Zur Not kommt halt ein Stein auf den Kasten. Nun aber zum eigentlichen Thema. Makros zeichnen sich ja durch eine enorme detailtreue aus. Meist werden kleine Motive bildschirmfüllend abgebildet. Insekten Augen füllen ganze Leinwände und Pflanzenbestandteile werden übermannsgroß . Schaut man sich den Beitrag von gestern an, so fällt bei der Kuhschelle (lila Blume) auf, dass nur der Stempel scharf ist, alles andere wirkt verschwommen. Wieso? Ganz einfach, die Blende ist schuld. Je größer die Blendenzahl, desto geschlossener die Blende. Stellt man von Blende 2,8 auf Blende 8,0 so nennt man das auch "Abblenden" und erzielt den Effekt der Schärfentiefe. Um das zu demonstrieren, habe ich heute mal ein paar Beispielbilder geschossen.


Den Anfang macht, wie üblich, die Küchenschelle Pulsatilla vulgaris. Im oberen Bild wirkt lediglich die linke Blüte scharf, alle anderen sind verschwommen. Ebenso das Grün am linken Rand und der Hintergrund. Aufgenommen wurde das Bild mit einer Blende f4.




[caption id="attachment_2885" align="aligncenter" width="660"]Pulsatilla vulgaris, aufgenommen mit Blende f4 Pulsatilla vulgaris, aufgenommen mit Blende f4[/caption]

Auf dem zweiten Bild wurde die Blendenzahl auf f32 erhöht bzw. die Blende an sich wurde geschlossen. Ich vergleiche es gerne mit dem Zusammenkneifen des Auges, wenn man in die Ferne blickt. Das Resultat ist ein größerer Schärfebereich.




[caption id="attachment_2884" align="aligncenter" width="660"]Pulsatilla vulgaris, aufgenommen mit Blende f32 Pulsatilla vulgaris, aufgenommen mit Blende f32[/caption]

Die folgenden Bilder sind alle nach dem gleichen Muster entstanden. Zuerst das Bild mit kleiner Blendenzahl und geöffneter Blende, dann große Blendenzahl mit geschlossener Blende, die Einstellungen stehen auch unter dem jeweiligen Bild.




[caption id="attachment_2882" align="aligncenter" width="660"]Pulsatilla vulgaris, aufgenommen mit Blende f4 Pulsatilla vulgaris, aufgenommen mit Blende f4[/caption]

[caption id="attachment_2883" align="aligncenter" width="660"]Pulsatilla vulgaris, aufgenommen mit Blende f25 Pulsatilla vulgaris, aufgenommen mit Blende f25[/caption]

An dieser Stelle sei gesagt, dass ein zu scharfer Hintergrund von dem eigentlichen Motiv ablenken kann. Mir persönlich ist er im zweiten Bild zu stark und wirkt leicht störend. Natürlich lässt sich hier nicht pauschalisieren, es kommt halt auf das Motiv an.




[caption id="attachment_2880" align="aligncenter" width="660"]Muscari spec. , aufgenommen mit Blende f5,6 Muscari spec. , aufgenommen mit Blende f5,6[/caption]

[caption id="attachment_2881" align="aligncenter" width="660"]Muscari spec. , aufgenommen mit Blende f20 Muscari spec. , aufgenommen mit Blende f20[/caption]

Auch bei der Traubenhyazinthe sieht man den Unschärfe-Effekt deutlich. Auf dem zweiten Bild sind die Trauben deutlicher zu erkennen.

So, das war mal mein Beitrag zu den ersten Erlebnissen in der Makrofotografie. Die richtigen und talentierten Fotografen unter euch sind ausdrücklich dazu aufgefordert, in den Kommentaren ihre Meinung zu hinterlassen. Sagt mir eure Tipps und Tricks oder lasst es mich wissen, wenn ich hier absoluten Murks geschrieben habe.

Anemone nemorosa - dem Buschwindröschen auf der Spur

In einem der letzten Beiträge habe ich angekündigt, dem Buschwindröschen einen Besuch abzustatten. Das machte ich heute. Man kann schon sagen, dass diese kleine Schattenart in Laubwäldern mein Liebling unter den Frühblühern ist. Klar, das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides) ist seltener und macht im Naturschutz mehr her aber hey, who cares? In meiner Welt rockt das "klassische" Windröschen Anemone nemorosa. Auf halber Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig gibt es ein Wäldchen, in dem es von Buschwindröschen nur so wimmelt. Die Ergebnisse der heutigen Fotosession möchte ich euch hier zeigen.




[caption id="attachment_2867" align="aligncenter" width="660"] Laubwald mit Anemone nemorosa[/caption]

[caption id="attachment_2863" align="aligncenter" width="660"]Anemome nemorosa Anemome nemorosa[/caption]

[caption id="attachment_2866" align="aligncenter" width="660"]Anemome nemorosa Anemome nemorosa[/caption]

[caption id="attachment_2865" align="aligncenter" width="660"]Anemome nemorosa Anemome nemorosa[/caption]

[caption id="attachment_2864" align="aligncenter" width="660"]Anemome nemorosa Anemome nemorosa[/caption]

Da ich einmal in Fotolaune bin, zeige ich euch noch ein paar Bilder () quasi als Director's Cut), aufgenommen mit einem Sigma-Makro f2.8/105 mm. Here we go:

[caption id="attachment_2868" align="aligncenter" width="660"] Pulsatilla vulgaris[/caption]

[caption id="attachment_2869" align="aligncenter" width="660"] Pulsatilla vulgaris[/caption]

[caption id="attachment_2870" align="aligncenter" width="660"] Pulsatilla vulgaris[/caption]

[caption id="attachment_2871" align="aligncenter" width="660"] Larix decidua[/caption]

[caption id="attachment_2872" align="aligncenter" width="660"] Pulmonaria officinalis[/caption]
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